Technik trifft Technik - Von Kameras und Tablets

Für viele ist mit dieser technischen Fusion ein Traum wahr geworden. Andere denken sich: "Was für ein Quatsch, ich habe eine Kamera und keinen Computer!", dennoch muss man sich eingestehen, dass dies ein logischer Schritt in der Evolution unserer so oder so computerisierten Kamera war.

Wenn wir zurück denken, war es bei der Digitalisierung der Spiegelreflexkamera genauso:

"Brauch ich nicht, meine Kamera bleibt analog!"
"Unnötig!"
"Technischer Krimskrams!"
"Mit so was geb' ich mich nicht ab!"
"kenn ich nicht, will ich nicht!"

So, oder so ähnlich, klangen die meisten Einwände der, meist bereits älteren, Fotografen. Später stellte sich jedoch heraus, dass die meisten Einwände nur Vorwände waren und dieser technische Sprung eine Revolution war. So brauchte man nun kein riesiges, teures Labor mehr um seine Bilder zu entwickeln, sondern einen Computer und etwas Know-How. Vielen war das Know-How jedoch nicht in die Wiege gelegt und so entstanden die nächsten Vorwände  um den nicht-Umstieg zu rechtfertigen:

"Ich bin zu alt für den Mist!"
"Warum sollte ich mir einen Computer zulegen?"
"Ich kenne mich mit dem Mist nicht aus!"

Jedoch haben viele den Umstieg gewagt und bis heute nicht bereut, denn was wären wir ohne unsere Technik heute? Am Anfang der Technik waren schon immer Enthusiasten und Gegner, wobei sich die Gegner schnell in Enthusiasten bekehren ließen.

Dennoch steht eine Frage im Raum:

"Warum sollte ich ein Tablet oder ein Smartphone an meine Kamera anschließen?"

Die Antwort ist denkbar einfach:

"Weil es Vorteile bringt!"

Welche Vorteile dies sind, klären wir vorab:

  1. Bessere Schärfenkontrolle
  2. Unter Umständen größeres Display als auf der   Kamera
  3. Bessere Auflösung als auf dem Kameradisplay
  4. Bessere Farbdarstellung als auf Kameradisplay (Sättigung und Kontraste stimmen mit dem Endergebnis ein, da direkt das RAW betrachtet wird und nicht eine beschönigte kleinere Darstellung)
  5. Zwischenspeicherung der RAW Bilder auf dem Tablet möglich (Micro SD Karten sind weitaus günstiger als CF Speicherkarten)
  6. Zwischenergebnisse können dem Model mittels Lightroom oder günstigeren Alternativen direkt am Tablet  präsentiert werden.
  7. Makrobilder werden einfacher
  8. Startrails, HDR und Timelapse Bilder können ohne weiteres Zubehör einfach aufgenommen werden.

Die Frage zu Anfang ist wie bei allem:


- "Brauche ich das eigentlich?"

In vielen Haushalten sind Tablet PCs oder Smartphones bereits ein unerlässlicher Standard und dadurch auch nicht mit Mehrkosten verbunden. Eine entsprechende APP kann günstig oder gar kostenlos erworben werden, wodurch das Tablet zu einer multifunktionalen Steuerkonsole wird.

Sollte kein Tablet oder Smartphone im Haushalt vorhanden sein, sollte man sich die Anschaffung überdenken. Denn nur um mit diesem Endgerät eine Kamera zu bedienen ist es etwas überteuert, zumal ein Äquivalent in Form einer Fernbedienung etwa 20€ in der Bucht (eBay) kostet. Ich möchte an dieser Stelle keine Werbung für Tablets machen, oder euch zu dem kauf eines solchen nötigen, aber ich verwende mein Tablet zum lesen, Musik hören, Bilder bearbeiten, spielen und eben um Fotos zu machen.

Solltet ihr nun mit dem Gedanken spielen euch ein Tablet zulegen zu wollen, lasst euch bitte ausführlich im Fachmarkt beraten. Wichtig ist nur: Euer Endgerät muss "USB Host Funktion" haben, damit der USB Port auf den Speicher der Kamera zugreifen kann.


Man sollte vorab wissen was man alles dazu braucht:


Im Fokus steht natürlich eine kompatible Kamera. Eine entsprechende Liste findet man online bei den Herstellern der gewünschten App. Sollte man noch keine Kamera besitzen, aber mit dem Gedanken spielen sich eine zu kaufen, kann man die Kompatibilität vor dem Kauf prüfen und dieses Kriterium in die Auswahl einflechten.

Es gibt eine Hand voll Kameras mit eingeschränkter Funktion. Dies bedeutet, dass man die Kamera zwar auslösen kann und auf die Bildergalerie zugreifen kann, aber Live View oder andere Funktionen sind nicht vorhanden. Gutes Beispiel hierfür ist die EOS 400D, welche kein Live View integriert hat, aber bis auf diese Funktion komplett per Tablet bedient werden kann. 


Ein Mini USB Kabel sollte eigentlich jeder zu Hause haben, da dieses mit der Kamera ausgeliefert wird.

Wenn man sich die Enden des Kabels ansieht, fällt sofort auf; da stimmt etwas nicht!

Das Male USB Ende passt niemals in ein Tablet oder gar ein Smartphone. Hierfür gibt es allerdings eine Lösung:

Der OTG Adapter, oder auch USB Connector genannt. Direkt fällt auf, dass hier ein Micro USB und ein Female USB Ende ist. Diese beiden Kabel können miteinander verbunden werden und werden so zu einem Verbindungsstück zwischen Tablet und Kamera. 

Zu guter Letzt benötigen wir ein USB Host fähiges Tablet oder ein Smartphone. Hierbei spielt es in erster Linie keine Rolle von welchem Hersteller dieses kommt oder mit welchem OS (Operating System = Betriebssystem) es kommt, denn für iOS sowie Android gibt es Apps welche das Endgerät zur Fernbedienung für Kameras macht. Nehmt die Marken und Appnamen, welche ich hier nenne, bitte nicht als bindend für eure Kaufentscheidung, denn dies ist die Ausrüstung mit welcher ich arbeite. Lest euch die Appbeschreibungen durch und/oder die Produktbeschreibung des Tablet PCs.


Und dann?

Fangen wir mit dem technischen an:

Zu allererst ladet ihr euch eine Remote App aus dem Play / App store. Ich nutze und empfehle immer die App DSLR Controller, welche für iOS sowie Android verfügbar ist. In dieser App habt ihr einfach alles was euer Fotografenherz höher schlagen lässt. Dazu noch die App Photo Mate R2 und ihr seid gut gerüstet. Photo Mate R2 ist ein kostengünstiger Raw Entwickler und ähnelt Lightroom, nur in der Funktionalität und Geschwindigkeit ist es unterlegen.

Wenn die App auf dem Tablet installiert ist, können die Kabel angeschlossen und die Kamera kann eingeschaltet werden. Die App sollte die Kamera nun automatisch erkennen und ein Dialogfenster öffnen. Sollte dies nicht passieren, einfach die App manuell öffnen. Der Spiegel in der Kamera klappt sofort nach oben und auf dem Touchscreen des Tablet PCs erscheint das Live View Bild der Kamera.

Die App begrüßt uns zuerst mit einem etwas verwirrendem Startbildschirm. Um das Live View herum sind etliche Option, Schalter und Regler angeordnet.

Um diese App zu lieben, muss man sie verstehen, weswegen ich euch die einzelnen Funktionen grob erkläre:


Hier sehen wir den Aufnahmemodus. Dieser kann in der App nicht umgestellt werden, sondern kann nur am Wählrad der Kamera eingestellt werden.


Direkt darunter ist der Fokusmodus. Hier stellt man Autofokus und Live Fokus, also manuell, ein. Bei mir ist momentan Manueller Fokus eingestellt um in der Vergrößerung besser zu fokussieren. So kann ich die Schärfe noch vor der Aufnahme kontrollieren und schone meinen Verschluss (weniger Auslösungen durch geringeren Ausschuss).


Hier wird die Methode zum fokussieren eingestellt:

  • Quick (Auswahl über die AF Felder der Kamera)
  • Live (Auswahl über das schieben des Rechtecks)
  • :-) (Keine Ahnung was das soll….offenbar ein Scherz der Entwickler, denn hier ist keine Auswahlmöglichkeit)

Dies sind die kamerainterne Voreinstellung für verschiedene Bildstile. Ich gehe hier nicht weiter auf die einzelnen Modi ein, da diese abhängig von der verwendeten Kamera sind.


Dies ist der Aufnahmemodus. Hier kann eingestellt werden ob ein Serienbild, oder ein Einzelbild aufgenommen werden soll.


Das AWB sollte als Erklärung reichen. Nicht? Ok; hier wird der Weißabgleich (White Balancing) eingestellt. Ich habe es momentan auf AWB (Automatic White Balancing = Automatischer Weißabgleich) stehen, da ich in der späteren Entwicklung das Weiß des Hintergrundes als Referenz nehme. 


Der kleine Playknopf bringt euch direkt in die Galerie der Kamera. Das gute an der App: Sie kann alle gängigen Formate, auch Raw, anzeigen und verwerten. 


Ein tippen auf diesen Knopf zeigt das Helligkeitshistogramm an. Ein weiteres Mal tippen zeigt das RGB Histogramm an und nochmal drücken schließt die Anzeige.


Das mächtigste Werkzeug in der Schärfenkontrolle vor der Aufnahme! Hier kann man den Bildausschnitt vergrößern. Vergrößert wird der Bereich um das Rechteck herum, welches man durch gedrückt halten verschieben kann. Die Vergrößerung zoomt jedoch nur digital in das Bild, was eine schreckliche Körnung erzeugt, aber nach der Aufnahme ist dies nicht mehr zu sehen.

Links die 5-Fach Vergrößerung und rechts die 10-Fach Vergrößerung


Dieser Knopf bringt euch ein Raster in das Live View Bild. Ihr könnt hier nicht nur ein Drittelraster einblenden, sondern auch 16:9 Formate etc. 


Hier wird der Auslöser digital betätigt und der Sensor wird belichtet.


Hier kommt man in die Einstellungen und in weitere interessante Aufnahmemethoden, wie z.B. Timelapse oder Bracketing.


Mein Akku ist leer :-)

Hier braucht man kein Raketenwissenschaftler zu sein um zu wissen, dass dies die Akkuanzeige der Kamera ist.


Durch drücken auf diesen Knopf kann man die ISO einstellen. Natürlich ist dies ebenfalls Kameraabhängig.


Hier kommt man in die Belichtungskorrektur. Man kann im nächsten Bild entweder die Belichtung oder den Blitz durch drücken, halten und schieben korrigieren.


Wie man der 3.5 entnehmen kann, wird rechts die Blende eingestellt. Links, wo momentan nichts steht, kann die Zeit eingestellt werden.


Zusammenfassend kann man verallgemeinern, dass unten die Belichtung eingestellt wird, rechts die Hilfsmittel und links die Gestaltungsmöglichkeiten sind.


Diese Tasten sind nur im "R-MF", also manuelles fokussieren, sichtbar und dienen der Fokussierung. Durch drücken dreht der Stellmotor ein kleines Bisschen weiter.

Auch diese Tasten sind nur im "R-MF" Modus sichtbar und stellen die Drehgeschwindigkeit des Motors ein, damit er mit einem drücken größere Fokussprünge macht. Je näher das Objektiv an dem Motiv ist, desto kleiner sollten die Sprünge sein. Oder anders gesagt: Je weniger Pfeile, desto kleiner die Sprünge.


Dieses Rechteck begleitet uns seit Anfang der Erläuterung, doch bin ich bisher nicht näher darauf eingegangen.

Innerhalb dieses Rechtecks ist der Fokuspunkt. Wenn man auf das Rechteck tippt, es gedrückt hält und es verschiebt, ändert man den Fokuspunkt.


Die Bedienung ist denkbar einfach, aber was macht man damit nun?

Nachdem wir die Kamera ausgerichtet und über unser Tablet eingerichtet haben, können wir unser Wunschmotiv ablichten. Nachdem der Auslöser betätigt wurde beginnt erst die Kamera und  danach das Tablet zu arbeiten. Man gelangt sofort in die Rückschau und kann von dort aus das Bild auf dem Datenträger speichern (Transfer to local storage) oder löschen. Natürlich kann man auch einfach nur zurück gehen und ein neues Bild machen.


Raw Bearbeitung:

Nun sehen wir aber, dass ich den Bildausschnitt ein wenig schlecht gewählt habe, denn man erkennt oben die Milchpackung, welche mir als Stütze für die Hohlkehle diente und den Objektivdeckel am linken Bildrand. Zudem ist das Licht etwas wenig und der generelle Bildeindruck recht schlecht. Mit Lightroom könnte man jetzt schnell Abhilfe schaffen, aber dazu müssten wir den Computer anschmeißen und das Bild auf die Festplatte schieben und so weiter. Generell haben wir dazu momentan wenig Zeit, weil der Kugelschreiberhersteller hinter uns steht und nicht gerade zufrieden mit dem Bild ist. Bevor er abspringt und den Großauftrag an jemand anderen gibt, müssen wir ihn beeindrucken. Das geht mit einer anderen App:

Photo Mate R2 ist, wie der Name schon sagt, unser Kumpel welcher schnell mal das Bild etwas auffrischt und den Kugelschreiberhersteller zu tiefst beeindruckt. Man kann oben die Meta Daten einsehen und der Kugelschreiberhersteller ist erst einmal verwirrt. Wir erklären ihm, dass dies die Aufnahmedaten unserer Kamera sind und vorerst egal ist. Für ihn interessant ist der Entwicklungsmodus, welchen wir hier oben finden.

Hier sind unsere, von Lightroom, gewohnten Regler und Schalter. Wer sich in Lightroom auskennt, braucht hier kaum Einarbeitungszeit, da es selbsterklärend ist. Wir drehen die Helligkeit und den Kontrast ein wenig hoch, erhöhen die Schärfe, nehmen etwas Klarheit raus und schon sieht das Bild etwas besser aus. Nun ist das Ergebnis nicht wie in Lightroom und das Programm braucht zum berechnen etwas länger, aber für eine kurze Demonstration ist es mehr als ausreichend.

So haben wir mit einem schnöden blauen Kugelschreiber, einer Tüte Milch, drei Blatt Papier und unserer Kombi aus Kamera und Tablet einen schönen Auftrag an Land gezogen.  Damit wir dem Kugelschreiberhersteller das Ergebnis mit nach Hause geben können, exportieren wir es als Jpeg und senden es ihm per Email, oder per Bluetooth.


Abschließend hoffe ich euch einen kleinen Einblick in diese tolle neue Möglichkeit verschafft zu haben und freue mich auf eure Resonanz. Wenn ihr diesen Blog hilfreich findet, freue ich mich natürlich wenn ihr ihn kräftig teilt.



Kommentar schreiben

Kommentare: 0