Selfies - Wie es richtig funktioniert

Wir alle kennen und lieben sie; die Selfies und diejenigen welche sie machen. Schlecht aufgenommene Bilder mit schrecklichem Hintergrund von einer 2 Megapixel Frontkamera eines vermeintlich guten Handys. Raus kommt fast immer ein total schlecht bearbeitetes, stumpfes Bild bei dem der einzige bildgestalterische Anteil das Rauschen der obskur riesigen ISO Zahl ist.

Schrecklich, oder? Aber es geht auch anders! Das werde ich euch heute beweisen. Mein heutiger Blog, was gleichzeitig auch ein Tutorial sein soll, handelt von professionellen Selfies. Vergessen wir heute unsere Handys, Laptops, Webcams und Tablets, denn wir haben eine DSLR und ein Studio!

Ich habe mir heute Morgen überlegt: „Daniel du alter Fuchs, was brauchst du um gute Selfies zu machen?“  Kurzum habe ich mein Studioequipment aus dem Auto geholt und losgelegt.

In meiner Tasche befinden sich mehrere Reflektoren, Stative, Diffusoren und Blitzneiger, also alles was man für ein Selfie so braucht. Ihr denkt euch sicherlich: „Man is‘ der kaputt, baut ein ganzes Studio für ein Selfie auf.“

Mag sein, aber meine Selfies sind dafür echt gut geworden ;-)

Natürlich sollte der Hintergrund selbst in einem Selfie stimmen. Da ich aber jetzt nicht noch mit Hintergrundstoffen und Pappwänden anfangen will (hat man ja auch nicht mal eben so zu Hause), habe ich mich für eine neutrale weiße Wand und einen kontrastreichen Stuhl in rot entschieden.

Als kleine Accessoires habe ich eine alte Holzkiste und einen Kerzenständer gewählt.

Das weiße Kissen wird später nicht wirklich sichtbar sein und dient eher der Rückenunterstützung.

Nun das Setup: Schnell mal alle Stative aufgebaut, Kamera ausgerichtet, Blitz installiert und justiert und einen Reflektorschirm hingehangen.

Stört euch nicht an dem Hängeschrank über dem Stuhl, denn diesen abzumontieren um ein Selfie zu machen wäre dann doch etwas zu abstrakt. Diese kleinen Banalitäten werden später im Bild nicht sichtbar sein und Angst vor Schatten brauchen wir nicht zu haben, da wir ja Lichtbändiger sind und uns das Licht formen wie wir es brauchen.

Links neben der Kamera ist der Reflektor platziert. Seine Aufgabe ist es das Licht des Blitzes zu reflektieren und das Motiv von der entgegengesetzten Richtung aufzuhellen.

Rechts, im 40° Winkel, habe ich den Blitz platziert um eine ausgewogene Ausleuchtung zu erzielen. Die Platzierung des Blitzes ist ein essentieller Teil der Bildgestaltung.


Nun haben wir aber ein Problem. Wie will ich auf meine Augen fokussieren wenn ich gar nicht dort sitze? Zu Anfang dachte ich mir es sei eine gute Idee meinen Kopf an der Wand zu markieren und habe mir eine Karte hinter meinen Kopf geklebt:

Dies funktionierte auch ganz gut, aber ich hätte die Blende so extrem weit schließen müssen, dass ich die ISO in die Höhe gebracht hätte, da die Schärfenebene etwa 40 cm tief hätte sein müssen. Unmögliches Ergebnis für mich! 

Da ich kreativ bin, habe ich ein anderes Stativ genommen und es dort hingestellt wo meine Augen sein werden. Durch die Zoomfunktion konnte ich den Manuellen Fokus nun auf die Schrift und den roten Punkt des Stativs einstellen. Nachher musste ich mich beim fotografieren nur nach der Position des Statives richten, was aber leichter gesagt als getan ist, denn nach jedem Positionswechsel musste man das Spiel von vorne spielen. Untragbarer Zustand mit untragbarem Ergebnis für mich (siehe unten).

Dann kam mir eine zündende Idee: Ich verlängere einfach das USB Kabel meiner Kamera und lege mir mein Tablet neben den Stuhl um die Kamera komplett aus der Ferne zu bedienen. Das Setup war auch schnell fertig und das nächste Bild musste nicht lange auf sich warten. Doch etwas stimmte mit dem Bild immer noch nicht, denn ich war immer noch nicht richtig zufrieden.

Mir fiel auf, dass keiner ein Selfie von nem unrasierten Typen in Jogginghose und Simpsonsschlappen sehen will, also hieß es erst mal; ab ins Bad und rasieren. Danach ging es zu dem riesigen Kleiderschrank und passende Klamotten raussuchen. Ein Thema für die Selfies musste ebenfalls her, denn ich als Fotograf sollte es doch besser wissen! Mir fiel sofort meine, mittlerweile etwas verstaubte, Metalaxt ins Auge und ich wusste: „Daniel, du machst Metal-Selfies!“

Also hieß die Mission: Mikrofasertuch suchen und Gitarre entstauben.

Nach längerer Einstellphase und Eingewöhnungsphase (die Position hinter der Kamera gegen die vor der Kamera eintauschen ist nicht leicht) erzielte ich erste Ergebnisse, welche sich meines Erachtens nach sehen lassen können. Bevor wir nun zur Galerie kommen noch ein paar Tipps:

Liebe Frauen, wir wissen das ihr Brüste habt, dies müsst ihr uns nicht auch noch in euren Selfies so eindrucksvoll beweisen. Ein Foto von oben streckt den Körper und der Weitwinkel verdeckt ein etwaiges Doppelkinn, soweit ist dies alles korrekt, doch sollte man seine Oberbekleidung den Umständen entsprechend anpassen. Den Winkel zu vergrößern und somit den Durchblick bis zum Bauchnabel freizugeben ist kontraproduktiv, wenn man von anderen Ernst genommen werden will.

Ein Fu... ach mist, ich meinte ein Duckface, war vor 1.000.000 (eine Million) Bildern noch witzig, aber mittlerweile unterstreicht es die eigene Inkompetenz doch stark. Immer wenn ich Selfies mit Fuc... ach menno, Duckfaces, sehe, dann muss ich an folgendes Meme denken: 


Nun zu den Ergebnissen:

Hier sind alle Selfies welche ich in meinem Selfiewahn gemacht habe:

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Selfies.pdf
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