Soll ich mich selbständig machen?

Vorab eine Frage:

Gefallen dir folgende Bilder?


Ist deine Antwort ja, solltest du deine Idee mit der Selbständigkeit auf Eis legen. Spar dir den Termin bei dem Steuerberater oder der Handwerkskammer, denn schlechte Tonemapping "HDR" Bilder und Color Keys sind eine Phase die man etwa im Anfangsstadium durchlebt. Solltest du diese Art der Bearbeitung bevorzugen und deine Bilder noch in Picasa bearbeiten, dann lass das. Klingt hart und ist schwer pauschalisiert, aber leider muss es gesagt werden. Oftmals lese ich die Frage: "Ich denke darüber nach mich selbständig zu machen, was brauche ich und wie viel verdiene ich?"

In erster Linie denken sich viele: "Ich kauf mir mal eben ne gebrauchte DSLR für nen Appel und ein Ei und sahne damit fett ab", aber leider muss man alle von diesem hohen Ross runterholen, denn Fotografie besteht nicht aus Models verführen, ein Bisschen Knopf an der Kamera drücken. Die Anforderungen an einen guten Fotografen sind höher als an einen Hobbyknipser auf dem Geburtstag von Tante Liesel. 

Kennst du den Unterschied zwischen Offenblende und geschlossener Blende? Was passiert wenn du die Belichtungszeit bei gleicher ISO Zahl reduzierst? Kann deine Kamera eigentlich hohe ISO Zahlen gut ab, oder rauscht es bereits bei 400? Wie viele Feinabstufungen in der ISO hat deine Kamera? Hast du genügend Objektive um Arsenal um auf alle Eventualitäten gerüstet zu sein? Weißt du eigentlich wie viel ein professionelles Equipment kostet?

Diese und viele mehr Fragen solltest du dir vorher stellen. Lass mich dir einen Einblick in das Equipment eines Berufsfotografen gewähren:

  • Vollformatkamera EOS 5Dmk3: ca. 3000€ (Klick mich)
  • Backupkamera EOS 50D: ca. 370€ (Klick mich)
  • Objektiv Canon EF 70-200 f1:2.8: ca 1800€ (Klick mich)
  • Objektiv Canon EF 50 f1:1.4 USM: ca 400€ (Klick mich)
  • Objektiv Canon 16-35 f1:4 L IS USM: ca 1000€ (Klick mich)
  • Manfrotto 055er Stativ: ca 260€ (Klick mich)
  • Masterblitz Yongnuo YN 568 EX II: ca 100€ (Klick mich)
  • Slaveblitz Yongnuo YN 560 III: ca 70€ (Klick mich)
  • Blitzauslöser Yongnuo RF-602 (manuell): ca: 30€ (Klick mich)
  • Softbox / Wabe: ca 37€ (Klick mich)

Dies ist jetzt alles nur ein Teil der Ausrüstung, ich könnte dir noch andere Stative und Blitzneiger aufzählen, aber dies wird dir einen kleinen Einblick geben. Natürlich sind die L-Objektive und die Vollformatkamera nicht zwingend notwendig, aber sie machen dir die Arbeit leichter und führen zu ausgesprochen guten Ergebnissen. 

Viele sagen nun: "Alter, du hast nur ne EOS 50D und machst hier einen auf dicke Hose!"

Stimmt, ich habe "nur" eine EOS 50D, aber ich kann damit umgehen und für mich ist es die beste Kamera auf dem Markt, da sie meine Bedürfnisse befriedigt und eine Vollformatkamera für mich nicht in Frage kommt.


So viel zu der technischen Seite der Berufsfotografie, aber wie steht es mit dem finanziellen? Alles was ich oben aufgezählt habe ist ja sehr teuer, aber viele rechtfertigen ihren Schritt in die Selbständigkeit mit: "Ich kann ja alles steuerlich absetzen!" Das stimmt auch, aber die Kohle muss man dennoch erst mal haben.

  • Was ist eigentlich mit der Krankenversicherung?

Nun ja, jeder Tag an dem du nicht arbeitest, geht dir Geld und unter Umständen Kunden verloren. Ganz davon zu schweigen, dass du in erster Linie nicht einmal eine Krankenversicherung hast. Momentan zahlt dein Arbeitgeber mit den Lohnnebenkosten auch deine Krankenversicherung, hast du keinen Arbeitgeber, zahlt niemand die Versicherung, ergo: Du bist nicht versichert und darfst Behandlungen (Ein freundliches "Hallo" vom Arzt kostet gut und gerne mal 200€) und Medikamente (momentan zahlst du für Kassenrezepte anteilig 5€ Rezeptgebühr, nicht wenn du keine Versicherung hast) selbst zahlen. 

  • Ich kann mich aber Privat versichern, dann komme ich auch schneller beim Arzt an die Reihe!

Nicht komplett richtig. Es ist kein Zwang Privatpatienten zuerst an die Reihe zu nehmen, viele Ärzte handhaben es allerdings so. 

Du kannst dich privat krankenversichern, was aber mitunter sehr teuer ist. Ich müsste, bei einer namentlich nicht genannten Versicherung, 500€ im Monat und habe nicht mal ein Krankentagegeld beinhaltet. Ebenso müsste ich einen Teil meiner Behandlungskosten selbst tragen (Selbstbeteiligung). Eine Vollversicherung wie ich sie bräuchte kostet mich bei selbiger Versicherung 757€.

Wird dir schon schwarz vor Augen? Diese Summe musst du mit deinen Bildern erst einmal einfahren.

  • Ich bin ja nicht doof, ich kann mich auch freiwillig gesetzlich versichern!

Klar, kannst du, aber auch das gibt es nicht geschenkt und die Leistungen sind miserabel. Der Beitrag richtet sich nach deinem Einkommen und kann höchstens 602,25€ / Monat sein, aber auch die musst du erst einmal verdienen.

  • Oha, das klingt viel, aber....

Da kommen noch weit mehr kosten auf dich zu. Betriebshaftpflicht, Hausratversicherung für das Studio, Rechtsschutzversicherung für Selbständige, Krankenzusatzversicherung etc.

Hier mal ein paar Preise von oben genannten Versicherungen welche ich heute recherchiert habe (keine fiktiven Preise!):

  1. Gewerbliche Haftpflichtversicherung: 151€
  2. Rechtsschutzversicherung: 172€
  3. Krankenzusatzversicherungen: 250€

Dies sind nur ein paar essentielle Versicherungen. Was ist aber wenn du den Karren an die Wand fährst und dein Gewerbe abmelden musst oder das Finanzamt sagt, dass dein Betrieb zu wenig Umsatz macht (nebenbei: Kennst du den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn?)?

  • Dann gehe ich halt zum Arbeitsamt und bekomme Arbeitslosengeld. Ist doch geil; wenn ich 2000€ im Monat hatte und davon 67% bekomme.

Leider Gottes gibt es wirklich Menschen die so denken. Du warst in der ganzen Zeit nicht bei einem Arbeitgeber angestellt, also wurde auch nichts in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Du bist im Hartz 4 und bekommst Lebensminimum bezahlt wenn du den Laden schließt. Eine Arbeitslosenversicherung kostet pro Monat gut und gerne 70€. Genau kann man dies nicht sagen, da es sich an einem Prozentsatz (3%) richtet.


Hast du alles nicht gewusst, oder? Jetzt kommt der Hammer schlechthin: Ich habe mitgerechnet und ohne das Equipment und die Miete für das Studio bist du bei monatlich mindestens 1330€ die du an andere abtreten darfst um deinen jetzigen Lebensstandard zu erhalten. Hart, oder? Rechner dir um wie viele Shootings du machen musst um die Summe ein zu fahren und überlege dir das gut.


Abschließend möchte ich sagen: Es heißt zwar "lebe deinen Traum" aber dennoch sollte man auf dem Boden der Tatsachen bleiben, denn in der Wirtschaft wird einem nichts geschenkt und das Finanzamt ist ein harter Gegner.

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