Warum streiten sich Fotografen immer?

Achtung! Der folgende Blog enthält Bilder von Gewaltdarstellung und Blut und ist somit nichts für schwache Gemüter!

Diese Frage stelle ich mir häufig wenn ich durch die ein oder andere Fotogruppe scrolle und mir sporadisch ein paar Kommentare zu Bildern durchlese. Ich komme immer wieder zur Erkenntnis, dass der Grund der Streitereien, bzw Diskussionen immer der selbe ist: Verschiedene Geschmäcker und Grundverschiedene Auffassungen von Sitte und Anstand.

Viele monieren Bilder anderer nicht weil diese fotografisch schlecht sind, sondern weil sie das Moralgefüge des Betrachters angreifen. Einige Fotografen versuchen genau diesen Effekt zu erreichen, wie z.B. Kriegsfotografen, welche gezielt Bilder von toten machen, andere wiederum wollen ihre Kunst damit zum Ausdruck bringen. Nicht jeder Mensch will ein Bild von einem toten Kind am Strand sehen, andere wiederum werden durch genau dieses Bild wach gerüttelt und entschließen sich etwas zu ändern. Mission erfüllt, würde mir spontan dazu einfallen, denn die Mehrheit findet das Bild zwar grauenvoll und abstoßend, aber es hat seinen Zweck erfüllt und genau diese Menschen angesprochen und zur Besinnung gebracht. Den anderen Betrachtern ist nicht mehr zu helfen, darum ist jeder weitere Erklärungsversuch des Fotografen und jegliche Rechtfertigung unangebracht und unnötig, denn die andere Fraktion wird immer auf ihrem Recht beharren (was durchaus nichts schlimmes ist).


Nun, welche Ansicht ist aber jetzt richtig? Welche Fraktion hat recht? Die provokante Fraktion oder deren Opposition mit den bösen Bildchen? Die Antwort ist:

Beide!

In einem Krieg in dem beide Seiten für ihre Rechte kämpfen, muss es aber einen Verlierer geben und das ist in unserem Falle die Kreativität.

 

  • Aber wie steht es von der gesetzlichen Seite? Wir haben Recht auf freie Meinungsäußerung!

Das ist korrekt, aber zu diesem einen Individualrecht (so nennen sich Gesetze welche im Grundgesetz geregelt sind und die eigenen Rechte darstellen) kommen noch weitere dazu:

  • Recht auf freie Entfaltung (damit ist nicht nur die Sexualität gemeint, sondern auch die Kreativität)
  • Recht auf Religion
  • usw.

Bevor man auf seine eigene Meinungsfreiheit pocht, muss man prüfen ob die eigene Meinung nicht andere in ihrem Individualrecht verletzt, sonst liegt uns hier ein Rechtsbruch dar. 

 

Beispielsweise dieser Post:

Dies ist seine Meinung und in erster Linie ist es ihm gestattet diese auch frei zu äußern, doch diskreditiert er damit nicht nur eine Person, sonder komplette Völker (Asylanten, oder auch Flüchtlinge, kommen nicht nur aus einem Land) und hetzt unter anderem mit fremdenfeindlichen Kommentaren andere auf. Dies hat nicht mehr viel mit freie Meinungsäußerung zu tun, sondern grenzt schon an der Verletzung von Individualrechten anderer, denn nicht nur die körperliche Unversehrtheit ist im Grundgesetz verankert.


Wieder einmal viel Bla Bla, aber man muss auch weiterdenken und über den eigenen Tellerrand blicken um sich eine Meinung zu verschaffen. 


Momentan brennt in vielen Foren und Gruppen die Diskussion über Aktbilder. Viele finden es anstößig und sehen es als Beleidigung ihrer Augen an. Nun ist aber jedermanns Hemmschwelle anders ausgeprägt und ein Mittelmaß gibt es hier nicht. Herr X moniert eine aufreizende Pose, während Herr Y sich erst aufregt sobald er entblößte Geschlechtsteile sieht. Wo ist jetzt hier das Mittelmaß zu finden? Richtig, bei einem Bild von einem Entchen oder einem Kätzchen, denn das findet mit Sicherheit keiner anstößig. Spaß beiseite, denn man kann es nicht jedem recht machen. Wichtig ist, dass es nicht gegen die Netiquette verstößt oder gegen die AGBs des Seiteninhabers und das es unzugänglich für Kinder ist. Dies ist im Allgemeinen absolut nicht zu gewährleisten, außer mit einer Verifizierung durch den Personalausweis mit abgleich der Bundesdatenbank (utopischer non sense).


Damit währen wir beim nächsten Thema:

"Kann hier nicht irgendwer ausnahmsweise mal an die Kinder denken?!" Danke Helen Lovejoy, du sprichst vielen aus der Seele. Aber nicht mir!

Kinder- und Jugendschutz sind ein sehr ernst zu nehmendes und wichtiges Thema für mich, aber Prüderie eher nicht. Ich führe nun eine, mehr oder minder, fiktive Diskussion mit Helen Lovejoy, welche ihres Zeichens eine bigotte Verfechterin des Kinderschutzes ist.

  • Kinder könnten das doch im Internet sehen!

Der Meinung bin ich nicht, denn auf Facebook darf man sich erst ab 13 Jahren anmelden und bis dahin sollte ein Kind zumindest aufgeklärt sein.

  • Was ist wenn mein Kind nach so etwas googelt?

Dann weiß er/sie zumindest schon mal nach was er/sie googeln will und wurde mit so etwas zuvor schon konfrontiert.

  • Aber wenn mein Kind dieses Bild auf Facebook dennoch sieht? Die fragen einfach nur nach einem Alter bei der Anmeldung und das könnte man fälschen!

Ja, aber wessen Schuld ist es dann? Nicht die der Fotografen und Künstler, sondern es ist das Versäumnis der Eltern. Meine Tochter hat keinen Zugriff zu Facebook und wird diesen auch nicht bekommen, bis sie alt genug ist um die Inhalte zu interpretieren und zu verstehen.

  • Aber auf ihrem Smartphone könnte mein Kind auf Facebook!

Man kann als Elternteil verhindern das ein Kind Zugriff auf Facebook hat. Dazu gibt es wirkungsvolle Apps für schmales Geld.

  • Ihr seid der Grund warum die Kinder so versaut sind!

Eine Frage: Hat dein Kind Zugriff zum Fernseher? Geht dein Kind in die Schule? Hat dein Kind Freunde?

  • Äh ja, aber was hat das damit zu tun das ihr solche Bilder hochladet?

Ganz einfach: Kinder haben ihre Schimpfworte und ihre Neugier nicht nur aus dem Internet, aus Fotogruppen oder sonstigem, sondern hauptsächlich von Freunden und anderen Kindern. Kein Kind kommt von sich aus auf die Idee nach Aktbildern zu googeln.


Diesen Ball könnte ich stundenlang hin- und herwerfen, aber es führt zu nichts, da Helen unbelehrbar ist. Menschen kommen früher oder später mit so etwas in Kontakt, dagegen können wir absolut nichts machen, sonst würde es uns alle nicht geben. Dieses Argument ist also UNGÜLTIG.


Wer sich durch Bilder, welche nicht seinen Moralvorstellungen entsprechen, bedroht oder provoziert fühlt, sollte einfach weiterscrollen, da eine Diskussion, wie oben gezeigt, nichts bringt. Der Fotograf wird auf seine künstlerische Freiheit als solche bestehen und du auf deine Moralvorstellung. Außer einem hitzigen Gefecht, an welchem sich sicherlich weitere 50 Leute beteiligen werden, bringt es nichts.


Es gibt allerdings auch absolute No-Go's in der Fotografie, welche allerdings auch strittig sind.


Übertriebene Gewaltdarstellung ist eine:

Wir sehen hier eine Frau mit Waffe an einem blutverschmierten Auto lehnen. Bei vielen beginnt nun ein Kopfkino , welches mit Sicherheit nicht Jugendfrei ist, aber das Bild ist es dennoch. Dieses Bild ist Serie einer Bilderreihe eines Fantasyspektakels in welchem es um Postapokalyptische Szenarien und Zimbies ging. Das gewalttätige hier ist das Kopfkino des Betrachters.


Horror:

Auch dies war Teil von besagtem Spektakel und ist für viele sicherhlich beängstigend, oder löst sogar Klaustrophobie aus, aber dennoch spielt sich das Kopfkino im Kopf des Betrachters ab. Hier zählt vor allem die Liebe zum Detail mit welchem die Veranstalter den Käfig aufgebaut und "dekoriert" haben.


Anstößige Posen oder Akt:

Ja, dies ist mein Ernst. In einer Fotogruppe habe ich zu dem verpönten Thema Akt das Bild oben eingereicht. Es handelt sich um einen nackten Apfel. Akt beschreibt einen nackten, oder teils nackten Körper. In dieser Gruppe brannte gerade die Diskussion über Moral und Anstand, was durch dieses Bild (welches extra nur für diesen Zweck von mir gemacht wurde) ein wenig ins lächerliche gezogen wurde. Ich wollte den Leuten damit nur klar machen wie lächerlich eine solche Grundsatzdiskussion ist und wie man es auch anders machen kann. 


Man muss viele Dinge die einem persönlich nicht gefallen auch mal aus anderen Blickwinkeln sehen und zumindest versuchen die andere Fraktion zu verstehen. Ich verstehe die Sorgen der Aktgegner, aber viele dieser Sorgen lösen sich in Wohlgefallen auf.  Das einzige was ich aufs schärfste verurteile ist Bigotterie. 

Ich habe vor längerer Zeit ein Shooting mit einem Airsoftteam während eines Matchs gemacht. Auf den Bildern waren junge Männer mit Spielzeugwaffen zu sehen, welche sich hinter Deckungen stürzten und den Lauf ihrer Spielzeugwaffe (welche durchaus weh tun können) aufeinander richteten. Diese Bilder wurden damals von einer, namentlich nicht genannten, Person verbal zerrissen. Bei näherer Betrachtung seines Profils fiel mir allerdings auf, dass diese Person selbst Paintball spielt und im Grundprinzip nichts anderes macht als dieses Airsoftteam. Er hatte sogar Bilder davon öffentlich gestellt und sich mit seiner Ausrüstung ausstaffiert. Sein Argument war das es sich bei den Paintballspielern um Sportler handele und bei den Airsoftspielern um Pseudoparamilitär, nur weil diese wert auf Authentizität der Ausrüstung legen. Dies ist eine Himmelsschreiende Doppelmoral von jemandem der selbst Krieg spielt und auf andere schießt. Ich bin aber nun nicht hier um eine Grundsatzdiskussion über denn Sinn von Paintball, NERF und Airsoft zu starten, sondern euch klar zu machen, dass ihr als Künstler offen für neues sein solltet.


Kunst ist nicht nur das was du als Kunst erachtest.

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