Was brauche ich eigentlich um durch zu starten?

Viele von euch haben sich auf meinen Aufruf hin bei mir gemeldet. Ich habe bei Facebook gefragt: "Was sind eure Fragen und welches Thema soll ich als nächstes behandeln?". Die Mehrheit fragte mich was sie eigentlich alles brauchen um sich Fotograf nennen zu dürfen. Die Frage finde ich äußerst spannend und ich gehe gerne für euch darauf ein.

  • Wer oder was ist ein Fotograf?

Ein Fotograf hat eine Leidenschaft für die Kunst und drückt sich mit seiner Kamera aus. Ob ihr euch nun Amateurfotograf, Hobbyfotograf oder Profifotograf nennt, ist eure Entscheidung, aber eines bleibt ihr mit eurer Leidenschaft: Ein Fotograf.

  • Was brauche ich jetzt eigentlich alles um ein Fotograf zu sein?

Mit einer Kamera hast du schon mal das Essentielle. Aber auch ein Autofahrer hat nicht nur einen Motor, sondern auch ein Getriebe, eine Karosserie und so weiter. 

Ich habe mir über die Zeit viel Besitztum angeeignet (legal natürlich), aber darunter ist auch viel Schrott den ich tendenziell selten bis gar nicht brauche. Was ihr braucht hängt stark davon ab was ihr machen wollt. Wenn ihr nur Blümchen fotografieren wollt, kauft euch einen Ringblitz und ein Makroobjektiv. Wenn ihr Porträts in der Natur machen wollt, braucht ihr schon mal mindestens einen Reflektor und Lichtstarke Objektive (was allerdings kein Muss ist).


Mein "Studio" besteht aus folgenden Elementen:


Viele von euch werden aus meinem "Selfies" Blog meine Quick Reaction Taschen kennen. Dort drin ist eigentlich fast alles an Equipment was ich habe. In der braunen Tasche sind die ganzen Stative, Lichtformer etc. und in dem Rucksack sind Objektive, Filter, Blitz und Kamera.

Dies ist meine "kleine" Auswahl an Stativen. Kein Mensch braucht so viele Stative auf einmal, aber dennoch hat jedes einzelne seinen Verwendungszweck. 

Viele fragen sich nun vielleicht:
"Warum hat der so viele Stative?"

Ganz einfach; ich habe sie mir nach und nach zu gelegt und werfe nichts weg.  Das kleine vorne, zum Beispiel, wird nur noch selten als Blitzstativ genutz, oder auch gerne mal als Halter für den Reflektor. Der Monopod wird mittlerweile beim Wandern eher als Gehstock missbraucht, aber dennoch hat auch dieser seinen Vorteil, denn er verschafft dir, im Gegensatz zum Freihändig fotografieren, wertvolle Sekundenbruchteile.

Hauptsächlich verwende ich das uralte schwarze Stativ in der Mitte, obwohl wahrscheinlich jeder andere davon abraten würde. Eigentlich sollte ein stabiles Stativ einen Mittelsteg an der ausfahrbaren Stange und den Beinen haben, aber mien Stativ ist stabiler als manche andere mit Mittelsteg.

Man kann vergrößert sehen wie dieses Stativ aufgebaut ist. Wichtig für euch ist: Es sollte möglichst hoch sein, damit ein gutes Arbeiten damit möglich ist und es sollte stabil sein, damit es bei Wind nicht wackelt. Wenn ihr euch mal ein billiges Stativ gekauft habt und die erste 5 Minuten Langzeitbelichtung durch ein Windstoß versaut wurde, beißt ihr euch in den Hintern wegen dem Geiz. Viele bekannte Fotografen schwören auf die alten Stative, da viele heutzutage aus leichtem Aluminium oder Kohlefaser hergestellt werden um das Tragen zu erleichtern. Meine Divise: Wer fotografieren will, soll auch arbeiten!" Die Vorteile der alten und schweren Stative "überwiegen" (tolle Anspielung) meines Erachtens das relativ hohe Gewicht.

Natürlich darf auch keine Sammlung an Lichtformern fehlen. Hier kann man sich als Fotograf echt tot kaufen, obwohl man nicht wirklich viele braucht. Neben den beiden Schirmen rechts (Silberreflektor) und links (Diffusor) und der Softbox in der Mitte, sowie dem Reflektor im Hintergrund, habe ich noch zwei Tageslichtleuchten, welche ich allerdings im Lager habe. Letzteres habe ich allerdings bisher selten genutzt. Wenn nun in euch die berechtigte Frage brennt WAS genau ihr kaufen sollt, dann lege ich euch das eBook der Kollegen Krolop und Gerst wärmstens ans Herz (Download). Es liest sich super und ist auch für Anfänger verständlich. Zudem ist es ein kleiner Workshop für das manuelle blitzen.

Nun braucht man aber auch etwas um diese Lichtformer in die richtige Höhe zu platzieren. Diese Blitzstative gibt es bereits für günstiges Geld bei eBay zu kaufen. Natürlich kann man auch hier mehrere hundert Euro pro Stativ ausgeben, aber ob dies Sinn macht ist jedem selbst überlassen. Diese Stative haben Flügelmuttern an den Verbindungen und lassen sich dadurch gut fixieren. Zudem müssen diese nicht hundert Prozent verwacklungssicher sein, da dort der Blitz aufgesteckt wird. Umfallen sollte es jedoch auch nicht, aber das kann man mit einem kleinen Sandsack oder ähnlichem gut verhindern. 

Diese Stative haben einen universellen Kopf, auf welchen Studioleuchten oder Studioblitze angeschraubt werden können. Um einen externen Aufsteckblitz zu montieren, benötigt man eine kleine Blitzschiene mit Schirmhalter. Dies kann man alles auch für kleine Portemonnaies bei eBay kaufen, auch wenn mich einige Fotografen dafür am liebsten auf dem Scheiterhaufen sehen würden.  

So in etwa würde ein aufgestellter externer Blitz aussehen. Mit diesem kleinen Helfer kann man schon recht professionell arbeiten. Unter dem Aufsteckblitz sieht man die Blitzschiene mit dem Schirmhalter. Solltet ihr so etwas auf eBay suchen, gebt einfach mal "Schirmneiger" oder "Blitzneiger" ein und ihr findet genug Material. Diese Blitzneiger kosten zwischen 5€ und 10€, je nachdem wo man sie bestellt. 

Dies ist mein weiteres Zubehör, was aber nicht zwangsläufig notwendig ist. Die Filtermappe in der Mitte war zu dieser frühen Anfangszeit die absolute Fehlinvestition. Ich habe mir das Teil zu Anfang bei eBay gekauft und dachte mir: "Hey, geil! Verlaufsfilter, damit mache ich den Himmel Blutrot und so." Aber dem war nicht so. Die Verlaufsfilter sind dazu da um die krassen Kontrastunterschiede durch Komlementärfarben (gegensätzliche Farben im Farbkreis) auszugleichen. Dies wusste ich zu Anfang allerdings nicht und sah in der eBay Artikelbeschreibung nur ein Bild mit rotem Himmel. Lasst euch nicht von Werbung und Empfehlungen blenden, sondern entscheidet mit gesundem Menschenverstand was ihr benötigt und was nicht. En UV Filter ist tendenziell unbrauchbar, da diese absolut nichts bringen. Im blödesten Falle habt ihr sogar Verzerrungen oder Streulicht dadurch. Ein CPL (Circular Polar Filter) ist etwas absolut brauchbares, da man mit so einem Filter Scheiben entspiegeln kann (hat mir im Zoo das eine oder andere Mal sehr gut geholfen). Außerdem bietet er bei Sonnenlicht eine gewisse Verdunkelung, was die Belichtungszeit etwas erhöht.

Die Taschenlampe ist ein Must Have! Wenn es dunkel wird, fokussiert das Objektiv nicht mehr richtig und der Autofokus dreht sich einen Wolf. Durch das leuchten mit der Taschenlampe sieht der Autofokus wieder die Kontraste und kann sich automatisch einstellen.

Ein Blitz ist ebenfalls ein Muss für jeden Fotografen. Manchmal ist einfach zu wenig Licht vorhanden (Avail light)und wir müssen uns anderer Quellen bedienen. Da wir ja alle Lichtbändiger sind und uns unser Licht formen wie wir es brauchen, ist ein Blitz eine essentielle Anschaffung.

Natürlich darf auch das treue Tier nicht fehlen, welches die ganze Ausrüstung bewacht.

Subsumiert:

Ein Fotograf sollte folgendes Equipment haben:

  • Eine, für seine Zwecke, taugliche Kamera
  • Mindestens einen Blitz
  • Fernauslöser für den Blitz und für die Kamera
  • Mehrere Ersatzakkus
  • Stativ(e)
  • Lichtformer (Schirme, Reflektoren, Softbox etc.)
  • Eine starke Taschenlampe mit Fokusregulierung oder eine Kopflampe
  • Objektive (Eine 50mm Festbrennweite kostet neu etwas über 100€ und lässt eure Bilder absolut top aussehen)
  • CPL Filter (Zirkulärer Polar Filter)
  • Genügend Taschen um alles unter zu bringen
  • Fotorucksack (hierbei aufpassen, dass er gut gefüttert ist. Fotografen wissen warum :-)
  • Evtl. einen Batteriegriff um höhere Reserven zu haben.

Diese Liste könnte man nun endlos weiterführen, aber ich finde es schwachsinnig Anfängern mehr aufzubürden als sie benötigen. Mit diesem Equipment mache ich alle meine Bilder und bisher bin ich noch nicht an meine künstlerischen Grenzen gestoßen. Wenn ich die Grenze dann doch mal erreicht habe, bin ich sofort ins Geschäft und habe mir benötigte Teile nachgekauft. 

Unten habe ich euch alle Bilder der Ausrüstung noch einmal in einer Galerie aufgeführt und auch 2 Beispielbilder, was man mit einer solchen Ausrüstung machen kann. Viel Spaß beim kaufen und probieren.

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Kommentare: 2
  • #1

    Jörg (Samstag, 26 September 2015 10:29)

    Hi Daniel, bei erster Aussage "wer ist Fotograf" muss ich dir ja schon widersprechen und auch nicht. Klar, wenn Du eine Definition von etwas, wie in deinem Beispiel des Fotografen, so weit fasst, dann stimmt es natürlich. Nur solltest du Dich fragen, was nützt dann eine solche Definition. Demnach wäre jeder Erstklässer, der gerade eine Satz schreiben kann, Buchautor oder Journalist, jeder der einen Computer einschalten kann ITler, usw. Und was nützt uns eine solche allgemeine Definition von irgendwas? Richtig: Nichts!

    Zum eigentlichen Inhalt Deines Blogs habe ich auch noch eine Anmerkung. Dass Dir der Kauf der Verlaufsfilter als Fehlinvestition vorkommt, hängt wohl damit zusammen, dass Dir anscheinend nicht ganz klar ist, wofür man diese überhaupt verwendet. "Damit mache ich den Himmel blutrot"... Dafür sind diese Filter nicht gedacht. Sie dienen z.B. dazu die enormen Kontrastunterschiede zwischen Hell und Dunkel (z.B. bei Sonnenauf- und untergängen) auszugleichen und damit schon bei der Aufnahme und nicht erst in der Bildbearbeitung zu einem ausgeglichenen Ergebnis zu kommen (Zeichnung in allen Bildbereichen, noch mehr Bearbeitungsspielraum in der Bildbearbeitung). Und glaub mir, und da wären wir auch wieder schon bei einem Argument, warum Deine Fotografendefinition eigentlich nichts aussagt, ein Landschaftsfotograf (hier Fotograf im Sinne eines Lichtbildners, der sein Handwerk versteht und nicht nur ein technisches Gerät = Kamera bedient), setzt Verlaufsfilter ein. Ich kenne KEINEN ambitionierten Landschaftsfotografen, der diese Filter nicht benutzt. Wenn Du sie nicht nutzt, okay, dann fotografierst du wohl keine Landschaften unter den vorgenannten Lichtverhältnissen, sonst würdest du sie benutzen oder du bist kein Fotograf nach meiner Definition :-)
    In diesen Sinne, gutes Licht und noch ein schönes Wochenende,
    Jörg

  • #2

    Daniel Schwan (Samstag, 26 September 2015 11:29)

    Hallo Jörg,
    erstmal vielen Dank, dass du dir den Blog durchgelesen hast. Wie du bereits richtig erkannt hast, bin ich nicht aktiv in Landschaftsfotografie und meine Kenntnisse über Komplementärfarben waren zu der Zeit des Kaufs unterdurchschnittlich. Die Farbigen Verlaufsfilter wurden damals von mir gekauft in der irrigen Annahme, dass ich damit gewisse Stellen in einem Bild einfärben könnte (aus der heutigen Sicht natürlich absolut schwachsinnig), nicht das es zu einem Ausgleich der Kontraste durch Komplementärfarben gedacht ist. Heute weiß ich es, doch sind diese Filter ein wenig in Vergessenheit geraten. Ich werde sie künftig auch öfters einsetzen.
    Zu dem anderen Punkt: Ganz unrecht hast du mit deiner Aussage nicht, natürlich ist ein Erstklässler mit wenig Schreibkenntnissen kein Buchautor, bin ich durch meine Blogschreiberei auch nicht, aber ich denke, dass sich ein engagierter Mensch mit einer Affinität zur Fotografie durchaus Fotograf nennen darf/sollte. Ob sich jetzt Onkel Karl mit seiner Kompaktkamera Fotograf nennen sollte, wenn er im Urlaub 3 Schnappschüsse für sein Fotoalbum macht, ist eher unangebracht, aber ein Fotograf der seine Kunst damit zum Ausdruck bringen möchte sollte sich, ungesehen seiner Kenntnisse auf diesem Gebiet, doch durchaus auch so nennen dürfen, oder? Ich bin sehr an der Meinung anderer Interessiert und lasse diese auch gerne in meinen Blog einfließen, zumal du sehr sachlich argumentierst :-)
    Zu mir: Ich habe auch mehrere Kurzgeschichten geschrieben und veröffentlicht (aber nur in einem Forum für Fanfiction) und sogar ein Buch, welches noch im Bearbeitungsprozess ist, aber ob ich mich nun Autor nennen möchte lasse ich dahin gestellt. Ich sah die Schreiberei eher als Zeitvertreib, wobei meine Kurzgeschichten eine sinnvolle Botschaft hatten, welche dem Leser auch vermittelt werden sollte.
    Wie würdest du diese Titulierungen differenzieren?

    MFG: Daniel